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Maria: Freundin, Frau, Göttin, Mutter, Wegbereiterin!

So lautete der Titel des Konzertes des Kammerchores Fresco Vocalis Innsbruck, des ersten nach der langen „Coronapause“. Das Konzert wurde in Kooperation mit der Universität Mozarteum Innsbruck und GEISTreich.Tirol veranstaltet.
Mit ansprechender chorischer und solistischer Musik unterschiedlicher Stile und Epochen rund um das Thema "Maria - Frau und Wegbegleiterin sein" hießen der Kammerchor Fresco Vocalis Innsbruck mit seiner Chorleiterin Heike Henning sowie der Gesangsklasse von Vera Schoenenberg (Solistinnen Manuela Lusser, Theresa Peischer, Maria Pixner) zu einem besonderen Konzert in der Kirche im Herzen der Stadt (Alte Spitalskirche) willkommen. Sowohl Solistinnen wie auch der Chor wurden von Alexander Ringler an Orgel und Klavier wunderbar begleitet.

Es war ein besonderes Anliegen, das Thema der biblischen Maria auch mit dem Thema Frausein in heutiger Zeit zu verbinden, von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten und in Gesang und Text erklingen zu lassen. Der Überbegriff „Maria“ wird durch vielfältige Aspekte und Dimensionen von „Frausein“ im Kern bestimmt und umfasst, welche in musikalischen Stücken und Texten, geschrieben von Siljaroa Schletterer, repräsentiert wurden.

Neben konventionellen Marienvertonungen wie „Magnificat“, dem Lobgesang Mariens, und chorischen wie solistischen „Ave Maria“ Vertonungen, zeigten wir Maria als starke Frau und Vorbild unter anderem mit dem solistischen Stück „Sie ergibt sich nicht“ aus dem Musical Rebecca.
[…] da war also eine frau
eine frau die vertraute
ihrem gebet + erleben
mit ihrem ganzen sein + ganzen körper
über alle verurteilungs
des verlustgefahren hinweg […]
Aus Siljarosa Schletterer:  [maria: ein antwortversuch]

[…] maria ist gefährlich
(das weiß nur niemand)
maria sagt: hör hin | hör in dich hinein | da liegt die macht
maria sagt: es braucht kein patriarchat für erfüllung  […]  

Aus Siljarosa Schletterer: [maria II: sprengkraft]

Maria als fühlende, leidende Mutter war mit „Coventry Carol“, einem Stück in dem das endlose Leid, das Müttern widerfährt, denen ein Kind genommen ist thematisiert, repräsentiert.  "You have got a friend” ist ein Sinnbild für Maria als unsere Freundin.
In "O bella Ciao“, einem traditionellen italienischen Volkslied, welches sich auf ein Freiheitslied von Frauen, die als Sklavinnen auf Reisfeldern arbeiten musste und sich nach Freiheit sehnen, zurückführen lässt, zeigt sich Maria als Kämpferin. Das Stück „Warrior“ wurde anlässlich eines Frauenmordes geschrieben und wird jährlich von Chören aufgeführt, um an das Massaker eines Mannes zu erinnern, der als Zeichen gegen Feminismus in einer technischen Hochschule von Montreal 14 Frauen gerichtet hat.

ich will keine songtexte mehr hören, die meinen missbrauch beschreiben
ich will nicht hören „ja das ist mir auch passiert“ aber
ich will die geschichten der vielen dichterinnen + komponistinnen weiter erzählen +
ich will endlich über die werke dieser 4000 komponierenden frauen lesen

ich will dass mein körper gleich bewertet + erforscht wird wie von männern
ich will menstruationsblut sehen ohne zensur
ich will dass ein nackter nippel ein teil eines oberkörpers ist egal von wem +
ich will mit gleicher wahrscheinlichkeit ums leben kommen wie ein mann

bei einem autounfall
einer medikamenten einnahme oder
weil meine partnerin etwas zu eifersüchtig war

Aus Siljarosa Schletterer: [maria als kämpferin: wunschdenken oder weil ich halt eine frau bin]

Maria als liebende Frau wurde in „I don’t know how to love him“ aus Jesus Christ Superstar, in dem von Maria von Magdala, die sich auf verschiedenen Ebenen Jesus zugeneigt fühlt, als Vorbild, Führer aber auch als Mann) erzählt wird, präsentiert. Mit „Woman in Love“ wurde ein Stück gewählt, in welchem ebenfalls die (auch körperlichen) Bedürfnisse und Gefühlswelten von Frauen thematisiert werden. „Gabriellas Song“ zeigt eine Frau, die sich aus einer Beziehung, in der sie geschlagen wird, zu befreien sucht, um das, was in ihr angelegt ist, frei und glücklich leben zu können.

[…]  aber wieso all das aussprechen?
weil gerade ihr menschsein
das befreiendste + zugleich verschwiegendste
das angebeteste + zensurierteste ist […]  
Aus Siljarosa Schletterer: [maria IV: eine frau
Mit „Sub tuum präsidium“ wurde das Bild von Maria als schützender und Geborgenheit spendende Mutter, Schutzmantelmadonna, in einem chorische und solistischen Stück musikalisch gezeichnet.
So wurden die Zuhörerinnen und Zuhörer am 8. März 2022, dem Tag des alljährlichen Internationalen Frauentages, von Heike Henning entlang eines roten Fadens durch die Vielschichtigkeit von Weiblichkeit und Frausein in unterschiedlichen Epochen geleitet. Die Kombination von Musik mit lyrischen Texten von Siljarosa Schletterer wurde vom Publikum als besonders gelungen empfunden. Ein gemeinsam gesungenes „Abide with me“ hat den Abend beendet.

Weitere Informationen zu den Veranstalter:innen unter:
www.frescovocalis.at
www.innsbruckerperspektiven.at
www.heike-henning.com
www.Vera-Schoenenberg.de
www.linktr.ee/Siljarosa
https://geistreich.tirol/at/index.php

Galeriebilder
Fresco Vocalis 1